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Frühjahr 45

(2015, 90', Das Erste/arte)

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Im Frühjahr 1945 ist nichts mehr wie es einmal war. In Deutschland. In Europa. Auf der ganzen Welt.  Fünfeinhalb Jahre hat der von Deutschland entfesselte Krieg gewütet.  Das besetzte Europa ist befreit, Deutschland ist so gut wie besiegt. Die Menschen leben im Augenblick des Sieges, der Niederlage oder der Befreiung. Es gibt noch keine Zukunft, nur eine Gegenwart – ohne Gewisssheiten, aber voller Unsicherheiten. Voller Hoffnungen für die einen, voller Ängste für die anderen. Eines ist allen bewusst: es wird auch nie mehr so werden wie es einmal war. Die Welt ist aus den Fugen.

Frühjahr 45 folgt den Erlebnissen von einem Dutzend Protagonisten aus ganz Europa in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs.  Die Geschichten der Zeitzeugen – darunter Prominente wie die Philosophin Agnes Heller, der Schauspieler Günter Lamprecht, die Schriftstellerin Leonie Ossowski, der Politiker Wladyslaw Bartoschewski oder die Fernseh-Legende Georg Stefan Troller – berichten von ihren Erlebnissen in diesem Frühjahr vor 70 Jahren. Tagebücher, wie die Aufzeichnungen des Dichters Erich Kästner und der als Zwangsabeiterin in Deutschland inhaftierten Agnes Humbert runden das Bild ab.

Es sind Monate des Chaos und der Hoffnung, des Untergangs und des Sieges. Das Schlachtfeld hat sich nach Deutschland verlagert, aber  in vielen Ländern  Europas sind noch deutsche Soldaten. Mal als mehr oder minder friedliche Besatzer, mal als verzweifelte Kämpfer in aussichtslosen Gefechten. Während sich die  Fronten immer mehr aufeinander zubewegen, um sich schliesslich bei der historischen Begegnung von Westalliierten und Sowjets bei Torgau zu vereinen, wird in Berlin noch gekämpft, in Italien die Befreiung gefeiert und in Dänemark gnadenlose Jagd auf Widerstandskämpfer gemacht.

Die Befreiung der Konzentrationslager, das Chaos der letzten Kämpfe, aber auch die Übergriffe der sowjetischen Eroberer Berlins  stehen im Kontrast zu den überschwenglichen Gefühlen von Befreiung und Errettung aus Krieg und Untergang.

Diese Frühjahrs-Monate vor 70 Jahren bedeuten für die Zeitzeugen aber auch für fast alle Menschen die sie damals erlebten einen den der massivsten Einschnitte in ihrem Leben. Frühjahr 45 erzählt davon.  Am 8.Mai 1945 notiert die Zwangsarbeiterin Agnes Humbert:

Es ist vorbei, Hitler ist besiegt ! Zwischen Ausbrüchen von Jazzmusik sendet das Radio die Hurras und Freudenrufe delirierender Massen, mal in Paris, mal in London - und wir stimmen mit ein , schreiend vor Freude. Und dann tanzen wir. Ich habe auch beim Kriegsende 1918 getanzt, aber 1918 wusste ich nicht was es bedeutet zu leiden und das Leiden anderer zu erleben. Jetzt, wo ich es weiss, tanze ich intensiver, ich lache intensiver – und ich hasse intensiver !

 

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