Kriegsende an Rhein, Ruhr und Weser

(mit Florian Opitz, Anne Roerkohl)
(2005, 3 x 45', WDR)

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Eine Chronik der letzten Monate des NS-Regimes im Westen

1. Bombenterror

Am 21. Oktober 1944 kapituliert Aachen. Die Amerikaner richten die erste Militärregierung in einer deutschen Stadt ein. Im Februar 1945 gelangen US-Truppen in die Rheinebene. Städte wie Düren oder Jülich sind zerstört und längst menschenleer. Viele Frauen und Kinder aus Aachen, dem Ruhrgebiet und Münster fliehen nach Ostwestfalen.

Währenddessen sollen im Ruhrgebiet Kinder und Alte lernen, mit Gewehr und Panzerfaust zu kämpfen. Das Ruhrgebiet ist das letzte im NS-Staat verbliebene Kohle- und Stahlrevier, das Herz der deutschen Wirtschaft und Waffenschmiede des Reiches. Wenn es fällt, ist der Krieg zu Ende. Jetzt holen die Alliierten zum tödlichen Schlag aus: Ruhrgebietsabriegelungsprogramm.

Das Leben der Ruhrgebietsbevölkerung spielt sich nur noch in den Bunkern ab. Anfang März 1945 sind oft an die 3500 Flugzeuge gleichzeitig über dem Ruhrgebiet. Sturmreif soll es gebombt werden. Rüstungsfabriken und Verkehrsanlagen, aber auch die Wohnviertel der Städte sind die Ziele. Am 12. März gehen allein auf Dortmund 4800 Tonnen Bomben nieder, das Stadtzentrum Dortmunds wird buchstäblich pulverisiert.

2. Ruhrkessel

Im März 1945 stoßen Briten und Amerikaner in Richtung Rhein vor. Rees und Wesel werden zur Kampfzone. Von hier aus wollen die Alliierten den Norden des Ruhrgebiets abriegeln. Die Betriebe dort sind noch weitgehend erhalten. Doch Hitler befiehlt die Vernichtung aller Industrieanlagen, ohne Rücksicht auf die Zukunft.

Links des Rheins, in Bonn, Köln, Neuss und Krefeld versucht die amerikanische Militärregierung, Herr der Lage zu werden. Im Rheinland fallen die Nazi-Symbole. Von Remagen und Wesel aus beginnt der Vormarsch der Alliierten – die Einkesselung des Ruhrgebiets. Ostern 1945 ist das Revier fast vollständig umzingelt. 320.000 deutsche Soldaten und fünf Millionen Zivilisten sind eingeschlossen.

Mehr als 300.000 KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter aus dem Ruhrgebiet sollen den Alliierten nicht in die Hände fallen. Russen, Ukrainer, Polen, Italiener, Franzosen und Niederländer werden vor der herannahenden Front hergetrieben. Wer nicht weiter kann, wird erschossen oder erschlagen. Die Alliierten geben den Befreiten die offizielle Bezeichnung "Displaced Persons": Verschleppte. Von Hunger geplagt plündern sie jetzt die eroberten Städte.

3. Zeitenwende

Im März 1945 überschreiten die Alliierten den Rhein. Am 8. April stehen sie unmittelbar am Rande des Ruhrgebiets. Essen, Bochum, Dortmund – fast täglich fallen ihnen weitere Städte in die Hände. Gegenwehr gibt es kaum noch. "Führer-Geburtstag" am 20. April: In Berlin hält Goebbels noch eine Ansprache mit Durchhalteparolen im Reichsrundfunk. In den Ruinen im Westen beginnt bereits eine neue Zeit.

Die Amerikaner nehmen 3,8 Millionen deutsche Soldaten gefangen. Sie werden in große provisorische Lager im Freien gebracht. Die berüchtigten Rheinwiesenlager in Rheinberg, Büderich und Remagen sind völlig überfüllt. Kurz vor Kriegsende haben Gestapo und SS noch tausende Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge ermordet. Die Alliierten konfrontieren die deutsche Bevölkerung mit diesen Verbrechen.

Vom Tod Adolf Hitlers am 30. April erfahren viele Deutsche von den Amerikanern. Krieg und Nationalsozialismus sind nun vorbei. Doch was wird kommen? Die Zukunft ist ungewiss. GI's bringen neue Lebenslust und neue Freiheiten – Camel und Swing trotz Trümmern und Entbehrungen. Evakuierte und Flüchtlinge kehren heim. Aufräumen für den Wiederaufbau im Frühling 1945: Die Deutschen wollen nach vorne blicken und vergessen.

Kamera: Hans-Peter Wietbrock     Schnitt: Volker Gehrke      Redaktion: Gudrun Wolter

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